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Erste Hilfe - Was tun bei Verdacht auf einen Schlaganfall [Leitlinie]

Lesezeit circa 6 min. Veröffentlicht 06.09.2018
“Zeit ist Hirn” wird gerne im Zusammenhang mit einem Schlaganfall von Experten zitiert, denn jeder Schlaganfall ist ein Notfall und jede Minute zählt! Je schneller dem Betroffenen durch den Notarzt und später durch Schlaganfall-Experten geholfen werden kann, um höher sind nicht nur die Überlebenschancen, sondern auch die Chancen auf eine erfolgreiche Rehabilitation.
Verdacht auf Schlaganfall

In Deutschland erleiden jährlich etwa 270.000 Menschen einen Apoplex und rund 60.000 davon überleben diesen nicht. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall spielt der Zeitfaktor die wichtigste Rolle, denn je schneller dem Betroffenen durch den Notarzt und später durch Schlaganfall-Experten geholfen werden kann, um höher sind nicht nur die Überlebenschancen, sondern auch die Chancen auf eine erfolgreiche Rehabilitation.

Je mehr Zeit zwischen den ersten Anzeichen und der Behandlung des Schlaganfalls vergeht, umso eher kann das Gehirn irreversible Schäden durch die Unterversorgung davon tragen - dies kann bei dem Betroffenen bis hin zur Pflegebedürftigkeit führen. Ein Schlaganfall in der rechten Hirnhälfte (rechte Hemisphäre) bedeutet in der Regel, dass die linke Körperhälfte betroffen ist. Zeigen sich jedoch die Symptome an der rechten Körperhälfte, weist dies darauf hin, dass der Hirninfarkt in der linken Hirnhälfte (linke Hemisphäre) auftritt.

Was sind typische Warnzeichen?

Die Warnzeichen eines Apoplex können von Fall zu Fall, je nachdem welche Region im Hirn von dem Hirnschlag betroffen ist, variieren. Ein Schlaganfall bedeutet allerdings immer das Auftreten von neurologischen Ausfällen und Störungen. Die Ursachen für diese neurologischen Störungen und Ausfälle sind in der Regel Blutgerinnsel, Thrombosen sowie Gefäßverengungen. Man kann die wichtigsten Symptome vereinfacht zusammenfassen.

So erkennen Sie einen Schlaganfall:

  • ganz- wie auch halbseitige Lähmungen (Hemiplegie und Hemiparese)
  • Taubheitsgefühl
  • Sehstörungen (doppeltes oder verschwommenes Sehen, eingeschränktes Gesichtsfeld bis hin zum kompletten Ausfall der Sehfähigkeit)
  • Schwindel und Balancestörungen
  • starke Kopfschmerzen mit eventuellen Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen
  • Sprach- und Verständnisstörungen (von leichten Störungen bis hin zum kompletten Ausfall der Sprachfähigkeit)
  • herabhängende Augenlider und/oder Mundwinkel
  • extrem erhöhter Blutdruck
  • Bewusstlosigkeit
Mit Hilfe des “FAST”-Tests lässt sich ein Schlaganfall schnell erkennen:

Face (Gesicht, hängender Mundwinkel)
Arm (Arm oder Bein kann nicht bewegt werden)
Speech (lallende, verwaschene Sprache)
Time (Zeit, Notarzt rufen)

Mehr Informationen zu möglichen Symptomen finden sie hier.

Es ist in jedem Fall ratsam den Notarzt zu rufen, auch wenn Sie unsicher sind, ob es sich tatsächlich um einen Schlaganfall handelt.

Nennen Sie während des Telefonats mit dem Notruf den Verdacht auf einen Schlaganfall, denn Patienten, die innerhalb von drei Stunden in einem Krankenhaus eintreffen und dort in sogenannten Stroke Units behandelt werden, haben deutlich bessere Überlebens- und Rehabilitationschancen.

Vermeiden Sie daher auch zuerst den Hausarzt anzurufen!

Erste-Hilfe-Maßnahmen gemäß dem Deutschen Roten Kreuz
  • Alarmieren Sie umgehend den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 (gilt europaweit!)

Informieren Sie den Notruf über Folgendes:

    • dass Verdacht auf einen Schlaganfall besteht
    • nennen Sie die Adresse des Betroffenen oder detaillierte Angaben zu Ihrem Aufenthaltsort
    • Nennen Sie Ihren Namen
    • Geben Sie Ihre Telefonnummer für einen eventuell nötigen Rückruf an
    • Legen Sie keinesfalls auf, bevor Sie dazu aufgefordert werden
  • Kontrollieren Sie die Lebenszeichen (Normale Atmung, Husten, sonstige Bewegung des Betroffenen)
    • Kontrolle der Lebenszeichen:
      • Anschauen, Ansprechen, Anfassen
      • Notruf absetzen
      • Atmung kontrollieren
      • Wenn keine Atmung vorhanden ist: 2-Mal beatmen
        • Atmung nochmals kontrollieren und auf Husten oder Bewegungen achten
        • sind keine Lebenszeichen vorhanden sind: Herz-Lungen-Wiederbelebung
  • Führen Sie, wenn nötig, lebensrettende Maßnahmen durch
  • Sofern der Betroffene bei Bewusstsein ist, lagern sie ihn in einer bequemen Position mit erhöhtem Oberkörper
  • Polstern Sie die betroffenen Körperteile und betreuen Sie den Betroffenen bis der Rettungsdienst eintrifft - lassen Sie den Betroffenen nicht alleine!
  • bei Bewusstlosigkeit bringen Sie den Betroffenen in die stabile Seitenlage
    • knien Sie neben seitlich neben den Betroffenen und strecken Sie die Beine des Betroffenen
    • legen Sie den nahen Arm des Betroffenen angewinkelt nach oben über den Kopf des Betroffenen sodass die Handinnenfläche nach oben zeigt
    • greifen Sie den fernen Arm des Betroffenen am Handgelenk und kreuzen Sie diesen vor der Brust und legen Sie den Handrücken an die Wange des Betroffenen; lassen Sie die Hand nicht los
    • greifen Sie an den fernen Oberschenkel und beugen Sie das Bein des Betroffenen
    • ziehen Sie den Betroffenen so zu sich herüber und richten Sie das obenliegende Bein so aus, dass der Oberschenkel im rechten Winkel zur Hüfte liegt
    • um die Atemwege freizuhalten, neigen Sie nun den Kopf nach hinten und öffnen Sie den Mund des Betroffenen leicht
    • richten Sie die an der Wange anliegenden Hand so aus, dass die Atemwege frei bleiben
    • decken Sie den Betroffenen zu; verwenden Sie die Rettungsdecke stellen Sie sicher, dass die goldene Seite für den Kälteschutz nach außen zeigt und so die Wärme erhalten bleibt
Worauf man zusätzlich achten sollte
  • lockern Sie beengende Kleidung (Gürtel, Kragen, Krawatte)
  • verabreichen Sie weder Getränke noch Medikamente, da eine Schluckstörung vorliegen kann
  • versuchen Sie ruhig mit dem Betroffenen zu sprechen und nicht in Panik zu verfallen
  • öffnen Sie Fenster
  • halten Sie die Atemwege frei und entfernen Sie eventuelle Essensreste oder Zahnprothesen
  • trifft der Rettungsdienst ein versuchen Sie so kurz und knapp wie möglich über die beobachteten Symptome, über den Zeitpunkt des Auftretens der ersten Symptome und eventuelle Vorerkrankungen des Betroffenen zu informieren. Wenn möglich geben Sie dem Notarzt eine Liste der Medikamente mit, die der Betroffene regelmäßig einnimmt
  • sollten Sie mehr als zwei Personen sein, schicken Sie die zweite Person auf die Straße, um den Rettungsdienst einweisen zu können
Zahlen und Fakten
  • etwa 70% der Patienten, die eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns (TIA, transitorische ischämische Attacke) oder einen “Minischlaganfall” erleiden, erkennen dies nicht.
  • 30% der Patienten zögern eine ärztliche Untersuchung mehr als 24 Stunden hinaus und nutzen die Möglichkeiten einer Akutprävention nicht in vollem Maße aus.
  • laut der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist der Schlaganfall die häufigste Todesursache für Menschen, die älter sind als 60 Jahre.
  • bei Menschen zwischen 15 und 59 Jahren ist der Schlaganfall die fünfthäufigste Todesursache.
  • auch Kinder und sogar Neugeborene können einen Schlaganfall erleiden. In Deutschland sind es jährlich etwa 300 Kinder, die von einem Schlaganfall betroffen sind.
  • zufolge der Ärzte Zeitung ereignet sich allein in Deutschland ein neuer Schlaganfall alle drei Minuten und alle neun Minuten stirbt ein Schlaganfall-Patient.
  • Kosten für stationäre und ambulante medizinische Behandlungen und für Rehabilitations- und Pflegeaufwand für Patienten mit Schlaganfall werden sich bis 2025 auf etwa 109 Milliarden Euro belaufen.
  • bis zu 70% der Pflegebedürftigen werden von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt - unentgeltlich.
  • etwa 70 % der Schlaganfälle könnten durch präventive Maßnahmen verhindert werden.

Laden Sie hier unsere Broschüre herunter

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